Woraus sich die Abzüge vom Gehalt zusammensetzen
Vom Bruttogehalt gehen zwei verschiedene Dinge ab, und sie werden oft verwechselt. Steuern sind die Lohnsteuer, plus Kirchensteuer, falls Sie in der Kirche sind, plus die Reste des Solidaritätszuschlags bei hohen Einkommen. Getrennt davon gibt es die Sozialabgaben: Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.
Genau deshalb ist „die Hälfte wird weggenommen“ ein Gefühl, kein tatsächlicher Prozentsatz. Die Hälfte setzt sich aus Steuern und Sozialabgaben zusammen, und die andere Hälfte der Sozialabgaben zahlt der Arbeitgeber für Sie.
Die Sätze für 2026
Die Einkommensteuer in Deutschland ist progressiv: Der Steuersatz steigt nicht für das gesamte Gehalt auf einmal, sondern für jeden weiteren Einkommensabschnitt.
- Bis zu 12.348 € im Jahr fällt überhaupt keine Steuer an — der Grundfreibetrag. Bei Ehepaaren liegt er bei gemeinsamer Veranlagung bei 24.696 €.
- Danach beginnt der Steuersatz bei 14 % und wächst fließend mit dem Einkommen.
- 42 % – ab 69.879 € des zu versteuernden Einkommens. Bei Ehepaaren ab 139.758 €.
- 45 % – ab 277.826 €.
Hier gibt es eine wichtige Feinheit, aus der sich der Mythos von den enormen Steuern ergibt. Der Steuersatz 42 % gilt nicht für das gesamte Gehalt, sondern nur für den Teil davon, der über dem Schwellenwert liegt. Der durchschnittliche Steuersatz für das gesamte Einkommen liegt immer deutlich unter dem höchsten Steuersatz.
Und das Ganze wird nicht vom Bruttoeinkommen berechnet, sondern vom zu versteuernden Einkommen – nach Abzug von Sozialabgaben, Werbungskosten, Versicherungen und sonstigen Sonderausgaben.
Was 2026 an Sozialbeiträgen abgeht
Die Steuer ist nur die Hälfte des Abzugs. Die andere Hälfte sind die Sozialbeiträge, und für sie gelten andere Regeln: kein progressiver Tarif, sondern ein fester Satz — aber nur bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze.
- Rentenversicherung — 18,6 %, davon 9,3 % vom Arbeitnehmer. Berechnet auf Einkommen bis 101.400 € im Jahr, also 8.450 € im Monat.
- Arbeitslosenversicherung — 2,6 %, davon 1,3 % vom Arbeitnehmer. Dieselbe Grenze: 101.400 € im Jahr.
- Krankenversicherung — 14,6 % plus Zusatzbeitrag, der 2026 im Schnitt 2,9 % beträgt. Beide Teile werden hälftig mit dem Arbeitgeber geteilt. Die Grenze liegt niedriger: 69.750 € im Jahr, also 5.812,50 € im Monat.
- Pflegeversicherung — 3,6 %, bei Kinderlosen 4,2 %. Der Arbeitnehmer zahlt 1,8 %, kinderlos 2,4 %. Dieselbe Grenze von 69.750 € im Jahr.
Was daran praktisch wichtig ist.
- Den Zusatzbeitrag setzt jede Kasse selbst fest. 2,9 % ist der vom Gesundheitsministerium für 2026 bekannt gegebene Durchschnitt; die einzelne Kasse nimmt mal weniger, mal mehr. Genau an dieser Zahl lohnt sich der Kassenvergleich — wie die gesetzliche Krankenversicherung funktioniert.
- Den Kinderlosenzuschlag trägt der Arbeitnehmer allein. Er beträgt 0,6 Beitragssatzpunkte ab einem Alter von 23 Jahren. Für jedes Kind ab dem zweiten bis zum fünften sinkt der Satz dagegen um 0,25 Punkte, solange das Kind unter 25 ist.
- In Sachsen ist die Aufteilung anders. Bei demselben Gesamtsatz von 3,6 % zahlt der Arbeitnehmer 2,30 % und der Arbeitgeber 1,30 %.
- Oberhalb der Grenze steigen die Beiträge nicht weiter. Auf den Teil des Gehalts oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze werden gar keine Sozialbeiträge erhoben. Deshalb sinkt bei hohen Einkommen die prozentuale Gesamtbelastung, während die Steuer weiter steigt.
- 77.400 € im Jahr sind eine eigene Grenze. Das ist die Versicherungspflichtgrenze 2026, also 6.450 € im Monat. Ein Verdienst darüber gibt dem Arbeitnehmer das Recht, die gesetzliche Kasse zu verlassen: private Krankenversicherung und die Bedingungen für den Wechsel.
Und das, was in der Nettorechnung meist untergeht: Die 9,3 % in die Rentenversicherung ergeben nur die gesetzliche Rente, und deren Niveau liegt bei den meisten deutlich unter dem gewohnten Einkommen. Was dazukommt und in welcher Reihenfolge — auf der Seite über Rente in Deutschland.
Sätze und Grenzwerte für 2026 geprüft am 2. Oktober 2026 anhand der Angaben von Bundesregierung und Bundesministerium für Gesundheit.
Zwei Beispiele
Beide verdienen gleich viel, zahlen aber unterschiedlich viel – der Unterschied liegt allein im Familienstand.
Beispiel 1. Ivan Mustermann verdient 60.000 € im Jahr. Er hat keine Familie und keine Kinder, Steuerklasse I.
Beispiel 2. Michail Schmidt verdient ebenfalls 60.000 € im Jahr. Er hat eine nicht berufstätige Ehefrau und zwei Kinder – Steuerklasse III.
Fazit zur Lohnsteuer 2026, ohne Kirchensteuer: Ivan, der nicht verheiratet ist, zahlt etwa 16 % – das sind ungefähr 9.400 € pro Jahr. Der Familienvater Michail – etwa 8 %, das sind etwa 5.000 €. Die Differenz beträgt bei gleichem Gehalt etwa 4.400 € pro Jahr, mit dem Kindergeld für zwei Kinder (6.216 € im Jahr) etwa 10.600 €.
Die Zahlen sind gerundet und dienen nur zur Veranschaulichung der Größenordnung: Der genaue Betrag hängt von der Kirchensteuer, dem Bundesland, den Versicherungsbeiträgen und den Abzügen ab. Berechnen Sie Ihren eigenen Betrag mit dem offiziellen Rechner des Bundesfinanzministeriums.
Natürlich gibt es jede Menge Nuancen, aber genau das ist der allgemeine Ansatz. Nun, sind das denn wirklich so hohe Steuern?
Noch Fragen? Schreiben Sie uns — wir analysieren Ihre Situation.
Warum der monatliche Lohnsteuerabzug nicht zur Jahressteuer passt
Die Steuerklasse ändert nicht Ihre jährliche Steuer. Sie ändert nur, wie viel der Arbeitgeber jeden Monat im Voraus einbehält. Das Endergebnis wird einmal im Jahr in der Steuererklärung berechnet.
Daraus ergeben sich zwei typische Situationen.
- Kombination III und V bei Ehepaaren. Monatlich erhält man etwas mehr, aber am Jahresende gibt es oft eine Nachzahlung. Die Kombination aus IV und IV mit dem Faktor sorgt für eine gleichmäßigere Verteilung der Abzüge.
- Klasse VI. Diese Regelung kommt zur Anwendung, wenn dem Arbeitgeber keine Steuer-ID mitgeteilt wurde oder es sich um eine Zweitbeschäftigung handelt. Der Lohnsteuerabzug ist hier am höchsten, zu viel gezahlte Beträge werden nur über die Steuererklärung erstattet – mehr zur Nummer selbst im Beitrag Steuer-ID und Steuernummer.
Deshalb lohnt sich eine Erklärung fast immer: Die durchschnittliche Erstattung bei Arbeitnehmern liegt bei 1.240 € (Destatis, Daten für 2022), bei langen Arbeitswegen oder Studiengebühren kann sie in die Tausende gehen.
Häufige Fragen
Ab welchem Gehalt zahlt man in Deutschland Steuern?
Ab einem jährlichen zu versteuernden Einkommen von über 12.348 € im Jahr 2026. Alles, was darunter liegt, bleibt steuerfrei.
Stimmt es, dass man bei 42 % fast die Hälfte seines Gehalts abgibt?
Nein. 42 % gilt nur für den Teil des Einkommens, der über 69.879 € liegt. Der durchschnittliche Steuersatz für das gesamte Gehalt bleibt deutlich darunter.
Warum bekommt ein Kollege mit dem gleichen Bruttogehalt netto mehr ausgezahlt?
Wahrscheinlich handelt es sich um eine andere Steuerklasse: Er ist verheiratet, und seine Ehefrau verdient weniger oder geht keiner Erwerbstätigkeit nach. Arbeitet die Ehefrau nicht, ist das eine echte Ersparnis übers Jahr – so wirkt das Ehegattensplitting. Arbeitet sie und hat das Paar die Kombination III und V, kommt nach Jahresende oft eine Nachzahlung.
Muss ein Arbeitnehmer unbedingt eine Steuererklärung abgeben?
Nicht immer, aber oft lohnt es sich. Eine Pflicht entsteht zum Beispiel bei Steuerklasse VI, bei der Kombination III und V oder wenn Einkünfte neben dem Gehalt oder Leistungen wie Krankengeld und Elterngeld mehr als 410 € im Jahr betragen.
Über den Autor. Valery Melech, Finber. Versicherungsmakler mit Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO und Immobiliardarlehensvermittler nach § 34i GewO, IHK Rhein-Neckar. Über 20 Jahre Praxis, rund 6.000 Kunden.
Quellen. Tarifstufen und Grundfreibetrag für das Jahr 2026 – § 32a EStG, Gesetzestext. Persönliche Berechnung — offizieller Rechner des Bundesfinanzministeriums.
Aktualität. Die Daten wurden am 2. Oktober 2026 überprüft. Die Tarifschwellen werden fast jährlich überprüft – die Seite wird bei jeder Änderung aktualisiert.
Das Material dient zu Informationszwecken und stellt keine Steuerberatung dar.
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Wir haben mit meinem Mann die Steuererklärung beim Finanzamt eingereicht und mussten nachzahlen. Ich habe alles bezahlt, aber mein Mann hat einen separaten Bescheid für sich beantragt. Dürfen Verheiratete eine getrennte Steuererklärung machen? Vielen Dank im Voraus
Guten Tag.
Ja, Ehepaare haben das Recht, getrennte Steuererklärungen mit Faktor abzugeben.
Sie wenden sich am besten an einen Steuerexperten, um sich beraten zu lassen.