Berufsunfähigkeitsversicherung in Deutschland

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (im Folgenden „BU“) zahlt Ihnen eine von Ihnen festgelegte monatliche Rente, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage sind, Ihrer derzeitigen Tätigkeit nachzugehen.

Wie funktioniert die Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt eine monatliche Rente, falls Sie Ihren aktuellen Beruf nicht mehr ausüben können. Dabei ist es in einem guten Vertrag unerheblich, ob Sie irgendeine andere Arbeit ausüben können (der Versicherer verzichtet auf die abstrakte Verweisung).

Es spielt keine Rolle, was genau die Ursache für die Berufsunfähigkeit war: ein Unfall oder eine Krankheit. Sie erhalten eine BU-Rente, wenn Sie mindestens die Hälfte Ihrer Arbeitsfähigkeit verloren haben und Ihre bisherige Tätigkeit nicht mehr ausüben können (oder nur noch in Teilzeit arbeiten können). 

Für wen ist die Versicherung geeignet

Man sollte sich nicht ausschließlich auf die gesetzliche Erwerbsminderungsrente verlassen, da diese selten ausreicht, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente beträgt nach Angaben des GDV (2025) in der Regel weniger als ein Drittel des letzten Bruttogehalts und wird nur bei erheblich eingeschränkter Leistungsfähigkeit gezahlt. Die volle Rente bekommen Sie, wenn Sie in keinem Job mehr 3 Stunden am Tag arbeiten können, die halbe (halb so hoch wie die volle) bei 3 bis 6 Stunden. Voraussetzung sind fünf Jahre Wartezeit und in der Regel drei Jahre Pflichtbeiträge in den letzten fünf Jahren.

Ohne private Rücklagen kann man nur dann auskommen, wenn man bereits abgesichert ist und nicht von seinem Arbeitseinkommen abhängt.

Die private Berufsunfähigkeitsversicherung ist besonders sinnvoll:

  • Für alle, die auf ihr Arbeitseinkommen angewiesen sind
  • Für Familien, in denen das Haupteinkommen von einem Familienmitglied erwirtschaftet wird
  • Für Selbstständige, da sie oft nicht gesetzlich rentenversichert sind
  • Am Anfang der Karriere, weil junge und gesunde Menschen sich günstig versichern können

Auch Beamte können sich gegen Dienstunfähigkeit versichern, wenn ihre Ansprüche an den Lebensunterhalt höher sind als die staatliche Pension.

Einfaches Zurücklegen von Geld für schlechte Zeiten dürfte kaum eine adäquate Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) sein. Laut GDV werden Versicherte im Durchschnitt mit 48 Jahren berufsunfähig. Wenn Sie ab diesem Zeitpunkt Ihre Ersparnisse nutzen möchten, um die Zeit bis zum Rentenalter zu überbrücken, müssen diese Ersparnisse beträchtlich sein. Die wenigsten werden in der Lage sein, so viel anzusparen.

Ursachen der Berufsunfähigkeit

Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich mindestens 6 Monate lang nicht einmal zur Hälfte ausüben kann oder dazu schon seit 6 Monaten nicht mehr in der Lage ist.

Wer körperlich arbeitet, ist in der Regel einem größeren Risiko ausgesetzt als jemand, der im Büro arbeitet. Man darf jedoch Depressionen oder Burnout nicht vergessen – sie sind mittlerweile die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit.

Laut Morgen & Morgen (M&M Rating Berufsunfähigkeit 2026) verteilen sich die Ursachen der Berufsunfähigkeit so:

  • Nerven- und psychische Erkrankungen – 39,32%
  • Erkrankungen des Bewegungsapparats – 17,61%
  • Krebserkrankungen – 16,30%
  • Unfälle – 6,85%
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen – 6,08%
  • Sonstiges – 13,84%

Wie viel kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Kosten für eine Berufsunfähigkeitsversicherung variieren von Versicherer zu Versicherer. Der wichtigste Faktor ist Ihr aktueller Beruf: Je riskanter der Versicherer ihn einstuft, desto höher sind die Versicherungsbeiträge. Berücksichtigt wird nur der Beruf, den Sie zum Zeitpunkt der Antragstellung ausüben.

Jeder, der eine gefährliche oder körperliche Arbeit ausübt, hat ein höheres Risiko, berufsunfähig zu werden, und seine Versicherung ist teurer. Wer gerne Eishockey spielt, klettert oder reitet, zahlt aufgrund dieser risikoreichen Hobbys ebenfalls mehr.

Aber es werden nur die zum Zeitpunkt der Antragstellung bekannten Risiken berücksichtigt.

Die Kosten hängen auch von Ihrem Gesundheitszustand ab. Bei bestimmten Erkrankungen wie Typ-1-Diabetes oder Epilepsie ist es ohnehin schwierig, einen Vertrag abzuschließen.

Checkliste für die BU-Versicherung vor Vertragsabschluss

Schließen Sie eine BU-Versicherung so früh wie möglich ab. Je gesünder Sie bei der Antragstellung für die Berufsunfähigkeitsversicherung sind, desto günstiger ist Ihr Versicherungsbeitrag.

Beeilen Sie sich mit der Einreichung Ihres Antrags vor dem Jahresende, da viele Versicherungsgesellschaften das Alter des Versicherungsnehmers zum Jahreswechsel und nicht am tatsächlichen Geburtstag anpassen. Folglich wird der Versicherungsnehmer direkt zu Beginn des neuen Jahres ein Jahr älter, und die Versicherungsbeiträge steigen.

Es gibt drei Gestaltungsvarianten:

  • selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung;
  • BU als Zusatzoption zur Lebensversicherung (Risikolebensversicherung);
  • Zusatzversicherung zur Kapitallebens- oder Rentenversicherung.

Wir empfehlen Ihnen, eine selbstständige BU-Versicherung abzuschließen und Ihr Leben gegebenenfalls separat mit einer Risikolebensversicherung zu versichern. Der Vorteil zweier separater Verträge liegt in der Flexibilität. Sie können jederzeit einen Vertrag kündigen, ohne dass dies Auswirkungen auf den anderen Vertrag hat.

Wählen Sie eine ausreichende BU-Rente.

Viele BU-Renten sind zu niedrig. Stellen Sie sicher, dass die versicherte Rente ausreicht, um Ihre laufenden Kosten für Familie, Wohnen, Versicherungen und Lebensmittel zu finanzieren.

Wir empfehlen, die Höhe der Rentenzahlungen auf 60–80% Ihres Nettoeinkommens festzulegen.

Achten Sie darauf, dass der Vertrag einen Verzicht auf die abstrakte Verweisung enthält: Dann prüft der Versicherer nicht, ob Sie nach Ihren Kenntnissen und Fähigkeiten in einem anderen Beruf arbeiten könnten.

Wählen Sie Versicherungsgesellschaften mit Erfahrung und hoher Finanzkraft. Der Versicherer sollte auch in 20 oder 30 Jahren noch existieren. Es wird nicht empfohlen, sich an Unternehmen zu wenden, die erst seit wenigen Jahren auf dem Markt sind.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Vergleich

Die Antwort auf die Frage, welche Berufsunfähigkeitsversicherung die beste ist, ist für jeden Menschen individuell. Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein sehr individuelles Produkt. Die Auswahl der Versicherungsgesellschaft und des Tarifs hängt von Ihrem Alter, Ihrem Beruf und Ihrem gesundheitlichen Zustand ab. Zum Beispiel passt ein leistungsstarker und günstiger Tarif möglicherweise nicht zu Ihnen, wenn Sie in der Vergangenheit gesundheitliche Probleme hatten.

Bei diesem komplexen Thema der Auswahl eines Berufsunfähigkeitstarifs geht es nicht ohne individuelle Beratung. Ein Versicherungsmakler kann für Sie anonyme Risikovoranfragen bei verschiedenen Gesellschaften stellen und diejenige finden, die die günstigsten Konditionen für Ihren persönlichen Fall anbietet.

Wir bieten Dienstleistungen zur Auswahl des besten Tarifs für Ihre individuelle Situation an.

Stellen Sie eine Frage – schreiben Sie uns per E-Mail oder in Telegram und wir werden Ihnen umgehend antworten.

Kann man sich nach überstandenen schweren Erkrankungen versichern?

Bitte beachten Sie folgende Punkte:

  • Beantworten Sie alle Fragen zu Ihrer Gesundheit ehrlich.
  • Unter Umständen kann es sich lohnen zu warten, bis Sie kritische Behandlungen nicht mehr angeben müssen. Wenn Sie beispielsweise vor vier Jahren in Psychotherapie waren, ist es sinnvoll, den Vertrag erst in einem Jahr abzuschließen: In vielen Anträgen bezieht sich die Frage nach ambulanter Psychotherapie auf die letzten 5 Jahre. Beantworten Sie alle Fragen im Antrag vollständig und wahrheitsgemäß.
  • Es ist wichtig, die Krankenakten einzusehen und mit Ihrem Arzt zu sprechen, um keine in den vergangenen Jahren durchgeführte Behandlung zu vergessen.

Wenn sich herausstellt, dass es aufgrund von Gesundheitsproblemen schwierig sein wird, eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu bekommen, sollten Sie bei so vielen Versicherungsgesellschaften wie möglich unverbindliche, anonyme Risikovoranfragen stellen. Die Einschätzung einer Erkrankung kann dort stark variieren.

Darauf sollten Sie beim Vertragsabschluss achten

 Damit die Rente in 20 oder 30 Jahren ausreicht, ist es wichtig, dass ihre Höhe bei veränderten Lebensumständen oder aufgrund einer gestiegenen Inflation angepasst werden kann. Ziehen Sie die Option einer jährlichen dynamischen Anpassung der Rentenzahlungen in Betracht, beispielsweise um 1-3%.

Berücksichtigen Sie die Versicherungsdauer – den Zeitraum, in dem die Berufsunfähigkeit eintreten muss, damit die Versicherungsgesellschaft eine Rente zahlen kann. Wenn dieser Zeitraum im Alter von 50 Jahren endet und Sie erst mit 51 Jahren berufsunfähig werden, erhalten Sie kein Geld.

Achten Sie darauf, wann Ihre Kinder höchstwahrscheinlich finanziell unabhängig von Ihnen sein werden. 

Was tun, wenn die Versicherung zu teuer ist

Sprechen Sie mit Ihrem Versicherungsmakler über eine anonyme Risikovoranfrage. Ihre persönlichen Daten werden dabei nicht weitergegeben, und Sie vermeiden das Problem einer Versicherungsablehnung.

Wenn Ihre Tätigkeit nicht der Standardbeschreibung entspricht, hilft eine spezifischere und detailliertere Beschreibung dabei, einen niedrigeren Beitrag zu erhalten.

Auch eine kürzere Versicherungsdauer senkt den Beitrag.

Einige Unternehmen bieten sogenannte Starttarife für die ersten 3 bis 5 Jahre an, die erst danach steigen. Das ist nützlich, wenn man vorübergehend ein geringes Einkommen hat, zum Beispiel während des Studiums.

Fazit

Wählen Sie einen erfahrenen Berater und einen Tarif mit guter Bewertung.

Wählen Sie die Rentenhöhe, die Sie absichert, wenn Sie nicht mehr arbeiten können.

Damit die Rente in 20 oder 30 Jahren ausreicht, ist es wichtig, dass man ihre Höhe später anpassen kann.

Häufige Fragen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Das ist weder Krankengeld noch eine gesetzliche Rente. Auf Englisch heißt die Berufsunfähigkeitsversicherung „disability insurance“, zur Abgrenzung von der staatlichen Absicherung auch „private disability insurance“. Können Sie aus gesundheitlichen Gründen Ihren zuletzt ausgeübten Beruf nicht einmal mehr zur Hälfte ausüben, zahlt der Versicherer jeden Monat die vereinbarte Rente. Meist muss das voraussichtlich mindestens sechs Monate dauern, oder dieser Zeitraum ist schon vergangen. Solange Sie nur krank sind, zahlt zunächst der Arbeitgeber, dann die Krankenkasse (Krankengeld) oder ein privates Krankentagegeld. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente funktioniert nach anderen Regeln.
Staatlichen Schutz gibt es, er funktioniert aber anders: Die Erwerbsminderungsrente beurteilt Sie nach jeder beliebigen Tätigkeit, nicht nach Ihrem Beruf. Die volle Rente gibt es, wenn Sie weniger als drei Stunden täglich arbeiten können, die halbe (halb so hoch wie die volle) bei drei bis unter sechs Stunden. Sind Sie arbeitslos, weil es keinen passenden Teilzeitarbeitsplatz gibt, kann auch dann die volle Rente gezahlt werden. Außerdem brauchen Sie fünf Jahre Wartezeit und in der Regel drei Jahre Pflichtbeiträge in den letzten fünf Jahren; bei Selbstständigen ohne Pflichtbeiträge scheitert es daran oft.
Eine einzige Zahl gibt es nicht: Der Preis hängt von Beruf, Alter, Gesundheit, Vertragsende und Hobbys ab. Als Anhaltspunkt nennt die Verbraucherzentrale (Stand 2. Januar 2025) bei 1.000 € Rente im Monat für einen 30-jährigen kaufmännischen Angestellten mit Vertrag bis 67 rund 50 € beim günstigen und über 100 € beim teuren Anbieter, für einen 20-jährigen Dachdecker mit Vertrag bis 65 rund 100 € und über 200 €. Hätte derselbe Dachdecker die BU schon als Schüler abgeschlossen, zahlte er nur die Hälfte bis ein Drittel. Bei gleichen Leistungen unterscheiden sich die Preise der Anbieter mitunter um 200 Prozent.
Versuchen kann man es, aber nicht bei jedem Versicherer und nicht zu den Bedingungen eines 30-Jährigen. Manche Gesellschaften nehmen Anträge nur bis 52 oder 55 Jahre an, viele bis 60, einzelne bis 64 oder 65 (Übersicht eines Maklerportals, Juli 2026), und die Beiträge liegen deutlich über denen jüngerer Antragsteller. Im Antrag wird nach Behandlungen der letzten Jahre gefragt, und die Versicherer bewerten diese unterschiedlich. Ich rate, mit einer anonymen Risikovoranfrage über den Makler bei mehreren Gesellschaften zu beginnen; Name und Anschrift werden dabei nicht weitergegeben. Danach lässt sich ein Vertrag bis 65 statt 67 vergleichen (günstiger, aber die Rente endet früher) und eine etwas niedrigere Rente.
Viele fürchten eine Überversicherung, aber in Beratungen sehe ich eher das Gegenteil: Die Rente wird zu niedrig gewählt. Als Richtwert gelten 60–80% des aktuellen Nettoeinkommens; die Verbraucherzentrale (Stand Januar 2025) schreibt, 80% seien oft ein guter Richtwert. Rechnen Sie von den festen Ausgaben aus: Wohnen, Beiträge, Kredite, Lebensmittel. Die Obergrenze legt der Versicherer fest: Er prüft beim Abschluss die „finanzielle Angemessenheit“, bei einzelnen Gesellschaften liegt sie bei bis zu 60% des Bruttoeinkommens oder 75% des Nettoeinkommens. Im Leistungsfall gibt es dagegen keine Überversicherung mehr, gezahlt wird die vereinbarte Rente. Steigt Ihr Einkommen, achten Sie auf die Nachversicherungsgarantie: Damit lässt sich die Rente ohne neue Gesundheitsprüfung erhöhen.
Die „50“ täuscht. In der BU bedeutet die Schwelle von 50%, dass Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf nicht einmal mehr zur Hälfte ausüben können; das entscheidet der Versicherer nach den Vertragsbedingungen und den ärztlichen Unterlagen. Die Schwerbehinderung beginnt bei einem GdB (Grad der Behinderung) von 50, ist aber eine eigene Einstufung nach anderen Regeln und löst für sich genommen keine BU-Rente aus. Gibt es noch keinen Vertrag und ist die Behinderung schon anerkannt, wird der Abschluss schwieriger. Beantworten Sie die Antragsfragen vollständig und holen Sie zuerst anonyme Voranfragen bei mehreren Gesellschaften ein.

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