Was das Gesetz vom Arbeitgeber verlangt
Diese Seite behandelt die Pflichten des Unternehmens. Wenn Sie wissen wollen, was die bAV Ihnen persönlich als Arbeitnehmer bringt, lesen Sie unsere Übersicht Betriebsrente für Arbeitnehmer.
Betriebliche Altersvorsorge ist für ein Unternehmen keine freiwillige Option, sondern ein Bündel von Pflichten. Es sind drei, und gegen die ersten beiden wird am häufigsten aus Unkenntnis verstoßen.
Erstens: Sie können einem Mitarbeiter die bAV nicht verweigern. Paragraf 1a Betriebsrentengesetz gibt jedem in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherten Arbeitnehmer das Recht, Entgeltumwandlung zu verlangen. Den Durchführungsweg und den Anbieter wählen Sie, das Recht selbst können Sie ihm nicht verwehren.
Zweitens: der Zuschuss. Sparen Sie durch die Gehaltsumwandlung Sozialversicherungsbeiträge, müssen Sie diese Ersparnis als Zuschuss von bis zu 15 Prozent des umgewandelten Betrags an den Mitarbeiter weitergeben. Für ab dem ersten Januar 2019 geschlossene Verträge gilt das sofort, für alle übrigen seit dem ersten Januar 2022. Der Zuschuss ist auf die tatsächliche Ersparnis begrenzt, wird also nur auf den Teil berechnet, der 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze nicht übersteigt.
Drittens: die Information. Der Mitarbeiter muss verstehen, welche Durchführungswege und Zusagearten es gibt und welche steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Folgen die gewählte Variante hat. Eine Form schreibt das Gesetz nicht vor, aber im Streitfall müssen Sie nachweisen, dass Sie aufgeklärt haben.
Das unterschätzte Risiko: die Einstandspflicht
Das ist der Punkt, der in Gesprächen über die bAV meist übersprungen wird — und er bestimmt das gesamte Risikoprofil des Unternehmens.
Paragraf 1 Absatz 1 Satz 3 Betriebsrentengesetz sagt es unmissverständlich: Der Arbeitgeber steht für die Erfüllung der von ihm zugesagten Leistungen auch dann ein, wenn die Durchführung nicht unmittelbar über ihn erfolgt. Sie haben das Geld an eine Versicherung oder eine Pensionskasse gegeben — die Verpflichtung gegenüber dem Mitarbeiter bleibt bei Ihnen.
Praktisch heißt das: Kann der externe Träger die zugesagte Leistungshöhe nicht erbringen, zahlt die Firma die Differenz. Solche Fälle sind nicht hypothetisch — als einzelne Pensionskassen ihren garantierten Rechnungszins senkten, mussten Arbeitgeber die Lücke aus eigenen Mitteln schließen.
Daraus folgt eine einfache Konsequenz. Die Wahl des Anbieters ist keine Suche nach dem billigsten Angebot. Es ist die Entscheidung, für wessen Verpflichtungen Sie am Ende mit Ihrer Bilanz einstehen.
Was es das Unternehmen wirklich kostet
Zu rechnen ist nicht mit dem Bruttobeitrag, sondern mit dem Nettoeffekt.
Bei der Entgeltumwandlung spart das Unternehmen seinen Anteil an den Sozialbeiträgen auf den umgewandelten Betrag — rund 20 Prozent innerhalb von 4 Prozent der BBG. Von dieser Ersparnis müssen Sie dem Mitarbeiter 15 Prozent des umgewandelten Betrags weitergeben. Bei maximaler Umwandlung entspricht der Pflichtzuschuss ungefähr dem Gesparten: Rein finanziell liegt eine bAV zu Mindestbedingungen für die Firma also nahe null.
Das sollte man vor dem Gespräch mit den Mitarbeitern verstanden haben: Die verpflichtenden 15 Prozent schenken Sie nicht, Sie geben sie zurück. Alles darüber hinaus ist eine echte Kostenposition — und genau die wirkt als Argument bei der Personalgewinnung.
Förderung für Geringverdiener: Paragraf 100 EStG
Ein eigener Mechanismus, den wenige Firmen kennen, obwohl er direkt und einfach ist.
Übersteigt das Bruttoeinkommen eines Mitarbeiters 2 575 Euro im Monat nicht und zahlen Sie für ihn einen eigenen bAV-Beitrag zwischen 240 und 960 Euro im Jahr, erstattet der Staat Ihnen 30 Prozent dieses Beitrags — höchstens 288 Euro im Jahr. Die Erstattung läuft über die Lohnsteuer-Anmeldung, ein gesonderter Antrag ist nicht nötig.
Ab dem ersten Januar 2027 werden die Bedingungen erweitert: Die Einkommensgrenze ist nicht mehr fest, sondern an 3 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze gekoppelt, und die maximale Erstattung steigt auf 360 Euro im Jahr.
Gemeint ist ausdrücklich der Arbeitgeberbeitrag, nicht die Gehaltsumwandlung des Mitarbeiters. Für Firmen mit einem hohen Anteil an Beschäftigten in niedrigen Entgeltgruppen ist das der günstigste Weg, eine echte Zusatzleistung zu geben.


Die Wahl des Durchführungswegs: Folgen für die Bilanz
Die fünf Durchführungswege unterscheiden sich nicht in der Bequemlichkeit, sondern darin, was mit der Bilanz des Unternehmens und mit seiner Haftung geschieht.
- Direktversicherung — ein Vertrag mit einem Versicherer, die Bilanz bleibt unberührt, Beiträge an den Pensions-Sicherungs-Verein fallen nicht an. Die einfachste Variante für kleine und mittlere Unternehmen.
- Pensionskasse — eine rechtlich selbstständige Versorgungseinrichtung unter Aufsicht der BaFin, außerhalb der Bilanz.
- Pensionsfonds — freier in der Anlage, verlangt aber Beiträge an den Pensions-Sicherungs-Verein.
- Unterstützungskasse — außerhalb der Bilanz, vor allem für hohe Beiträge, da die Grenzen des Paragrafen 3 Nummer 63 EStG für sie nicht gelten. Beiträge an den PSV sind Pflicht.
- Direktzusage — eine Zusage aus eigenen Mitteln. Erfordert Pensionsrückstellungen in der Bilanz und Beiträge an den PSV. Die verwaltungsaufwendigste Variante.
Für ein Unternehmen mit bis zu einigen Dutzend Beschäftigten läuft die Wahl praktisch fast immer auf die Direktversicherung hinaus. Die übrigen Wege lohnen sich bei hohen Beiträgen, bei Zusagen an die Geschäftsführung oder wenn bereits eine historisch gewachsene Regelung besteht.
Was das BRSG II geändert hat
Das Zweite Betriebsrentenstärkungsgesetz wurde am einundzwanzigsten Januar 2026 im Bundesgesetzblatt verkündet und trat überwiegend am Folgetag in Kraft. Für Arbeitgeber sind vier Änderungen wesentlich.
- Optionssysteme — die automatische Einbeziehung von Mitarbeitern in die bAV mit Widerspruchsrecht — sind jetzt auch ohne Tarifvertrag möglich. Der Arbeitgeberzuschuss beträgt in einem solchen System 20 Prozent.
- Die Grenzen für die Abfindung kleiner Anwartschaften wurden angehoben: Die reguläre Grenze liegt bei 1,5 Prozent der monatlichen Bezugsgröße, also 59,32 Euro Monatsrente; mit Zustimmung des Mitarbeiters und bei Übertragung in die gesetzliche Rentenversicherung bei 2 Prozent, also 79,10 Euro. Das nimmt der Firma die Verwaltung vieler Kleinstverträge ehemaliger Mitarbeiter ab.
- Der Beitritt zu bestehenden Sozialpartnermodellen wurde vereinfacht. Für eine Firma ohne eigenen Tarifvertrag ist das ein gangbarer Weg zu einem Modell ohne Einstandspflicht.
- Ab 2027 wird die Förderung nach Paragraf 100 EStG ausgeweitet.
Wie man eine bAV einführt: die Reihenfolge
Die Reihenfolge, bei der man später nichts umbauen muss:
- das Ziel festlegen — das gesetzliche Minimum erfüllen oder die bAV als Argument bei der Personalgewinnung nutzen; davon hängt alles Weitere ab;
- den Durchführungsweg wählen, mit Blick auf Bilanz, Verwaltung und Einstandspflicht;
- den Anbieter wählen — Kriterium ist nicht der Preis, sondern die Belastbarkeit der Verpflichtung, für die Sie einstehen;
- die Regeln in der Versorgungsordnung festhalten: wer teilnimmt, welche Beiträge, welche Bedingungen für Hinterbliebenenleistungen;
- mit dem Betriebsrat abstimmen, sofern vorhanden — Optionssysteme und Verteilungsregeln sind mitbestimmungspflichtig;
- die Information der Mitarbeiter schriftlich dokumentieren und die Nachweise aufbewahren;
- die Lohnabrechnung einrichten: Umwandlung, Zuschuss, Förderbetrag nach Paragraf 100 EStG.
Denken Sie die Hinterbliebenenversorgung gesondert durch. Einschränkungen in der Versorgungsordnung, die an das Alter bei der Eheschließung anknüpfen, erklären Gerichte regelmäßig für unwirksam — die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts erläutern wir ausführlich auf der Seite zur Witwenrente. Eine aus einer alten Vorlage übernommene Klausel kann zu einer Leistung führen, mit der Sie nicht gerechnet haben.
Häufige Fragen
Kann man den Teilnehmerkreis begrenzen
Den Anspruch auf Entgeltumwandlung haben alle in der gesetzlichen Rentenversicherung Versicherten, er lässt sich nicht einschränken. Eigene Arbeitgeberbeiträge über das Pflichtminimum hinaus dürfen dagegen differenziert werden — nach Betriebszugehörigkeit oder Funktionsgruppen — sofern das Kriterium sachlich ist und nicht diskriminiert.
Was beim Ausscheiden eines Mitarbeiters passiert
Was aus seinem Gehalt angespart wurde, gehört ihm vom ersten Tag an. Für Arbeitgeberbeiträge gilt die Unverfallbarkeit: Der Anspruch bleibt, wenn die Zusage mindestens drei Jahre bestand und der Mitarbeiter das 21. Lebensjahr vollendet hat. Kleine Anwartschaften dürfen in den oben genannten Grenzen einmalig abgefunden werden.
Muss man in den Pensions-Sicherungs-Verein einzahlen
Nicht bei allen Durchführungswegen. Pflicht sind die Beiträge bei Direktzusage, Unterstützungskasse und Pensionsfonds. Bei Direktversicherung und Pensionskasse wird der Schutz über den Versicherungsvertrag selbst hergestellt.
Der PSV-Beitragssatz ändert sich jährlich und wird im November bekannt gegeben. Für 2025 lag er bei 1,2 Promille der Bemessungsgrundlage gegenüber 0,4 Promille für 2024 — eine Verdreifachung wegen des höheren Insolvenzvolumens. Den Satz für 2026 legt der PSV im November 2026 fest.
Was passiert, wenn wir einfach keine bAV anbieten
Solange niemand danach fragt — formal nichts. Der Anspruch des Mitarbeiters verjährt aber nicht: Er kann die Entgeltumwandlung jederzeit verlangen, und eine Ablehnung wäre ein Verstoß. Zudem spricht fehlende Aufklärung bei einer Prüfung gegen das Unternehmen.
Wir sind ein Kleinbetrieb — brauchen wir das?
Die Pflicht hängt nicht von der Betriebsgröße ab. Für ein Team von fünf Personen lässt sich eine Direktversicherung zu Mindestbedingungen nahezu ohne Aufwand verwalten. Die eigentliche Frage ist, ob Sie die bAV als Bindungsinstrument einsetzen wollen — und darüber entscheidet die Höhe Ihres Zuschusses, nicht die bloße Existenz eines Modells.